Damit die Vergangenheit nicht zur Zukunft wird

21. Juli 2026

Knapp 30 Schauspielerinnen und Schauspieler der Klassen 5-11 machten den Cubus des Schulzentrums an zwei Abenden zum lebendigen Schauplatz eines Lehrstücks über die Geschichte und die Zukunft. Anne Frank kam im Originaltext zu Wort. Ihr Tagebuch stand im Zentrum des Geschehens. 17 Tagebuchsprecherinnen und -sprecher umrahmten mit kurzen Passagen aus dem Tagebuch die gespielten Szenen - gut zu erkennen an ihren von Judit Eschwey gestalteten weißen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Liebe Kitty!“ So nannte Anne Frank ihr Tagebuch, es war ihr wie eine Freundin. Ihr vertraute sie an, wie es ihr damals ging, während sie sich mit ihrer Familie über 700 Tage lang in einem Amsterdamer Hinterhaus verstecken musste. Angst, Hoffnung, Liebe und Streit. Das Leben auf engstem Raum mit der eigenen Familie, der Familie van Daan und Herrn Dussel, einem Zahnarzt.
Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hinterhauses standen im Zentrum der Inszenierung (nach einer Textfassung von Maria Bertele). Schlaglichtartige Szenen zeigten das Hoffen und Bangen der Versteckten und vor allem den selbstbewussten Ton einer 14-jährigen Schriftstellerin, von der man noch gerne mehr gelesen hätte. Aber bekanntlich sollte es nicht so weit kommen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer fühlten mit Anne Frank (Salomé von Abendroth, Maya Spatz). Das lag an dem beeindruckenden und sicheren Schauspiel der Darstellerinnen und Darsteller, aber auch an der Musik, die das Stück emotional getragen hat. Die 23 Sängerinnen des Chors von Musiklehrerin Karoline Bohn schlugen die Brücke ins Heute.
Sehnsüchtige Wünsche der Hinterhausbewohner nach einem Leben in Freiheit, Liebesgefühle des Paares Anne und Peter van Daan (Jona Garmel), Streit mit der eigenen Mutter (Sofie Blüm, Linnéa von Abendroth) und einem Mitbewohner (Herr Dussel: Phil Adam), Erziehungsversuche durch Frau van Daan (Luise Weishaupt), Freude über geglückte Pläne (Herr van Daan: Pedro Kremer),  Konkurrenz zur Schwester (Maike Rose, Romy Segmehl) und nicht zuletzt die Trauer der Bewohner (Otto Frank: Constantin Künst) über die Entdeckung des Verstecks und das Zerschlagen aller Hoffnungen am Schluss wurden durch moderne Popballaden emotional getragen.
Einen besonderen Akzent setzte Klarinettensolistin Miria Nuber, die mit jüdischen Melodien immer wieder zu einzelnen Szenen überleitete.  Romy Segmehl und Salomé von Abendroth schenkten mit ihren Stimmen der Inszenierung das gesangliche Leitmotiv: „Irgendwo auf der Welt, gibt`s ein kleines bisschen Glück. Und ich träum davon in jedem Augenblick“ von Werner Richard Heyman. Der Text drückt die Hoffnung aus auf einen besseren Ort, auf eine bessere Welt. Er erzählt von einer Sehnsucht, die alle Bewohner des Hinterhauses gehabt haben dürften. Nur einer hat überlebt: Otto Frank. Und Annes Tagebuch.
Wie aktuell das Tagebuch von Anne heute ist, zeigt nicht nur dieser Eintrag: „Liebe Kitty, zu unserem großen Entsetzen haben wir gehört, dass die Stimmung uns Juden gegenüber bei vielen Leuten umgeschlagen ist, dass Antisemitismus jetzt auch in Kreisen aufkommt, die früher nie daran gedacht hätten. Ich hoffe nur, dass dieser Judenhass nur von vorübergehender Natur ist.“
„Wir bringen dieses Stück jetzt auf die Bühne, damit die Vergangenheit Vergangenheit bleibt. Und nicht zur Zukunft wird“. Mit diesen Worten eröffnete Theaterlehrer Thomas Moser den bewegenden Premieren-Abend, der bei den Zuschauerinnen und Zuschauern noch nachhallen dürfte.

 

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